Wir empfehlen, diesen Beitrag als erstes zu lesen, um sich anhand dieses Beispiels eine Vorstellung über Hintergründe, Abläufe und Ausmass von Bezness zu machen. Für den gesamten Bericht inkl. Fussnoten, Grafiken und detaillierte Quellenangaben im Text: Anfrage an die Autorin
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Auszüge aus:
Bezness in Hurghada F. Tschanz Kassem
Zusammenfassung
Bezness, eine Mischung aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem englischen Begriff „business“, ist ein Phänomen, dem man nicht nur in Hurghada begegnet, sondern in vielen touristischen Destinationen auf der ganzen Welt. Touristinnen fahren in den Urlaub und verlieben sich in Kellner, Animateure, den Reiseleiter oder Strassenhändler. Während die Frauen von einer Beziehung nach ihren Vorstellungen ausgehen, dient den Männern die Verbindung, oft mit mehreren Frauen gleichzeitig, als Lebensunterhalt und Vergnügen. Der Verdienst in der Touristendestination Hurghada ist im Vergleich zu den Ausgaben der Touristen verschwindend klein, heiraten können Ägypter erst dann, wenn sie einen gewissen Lebensstandart erreicht haben. Vorehelicher Sex mit ägyptischen Frauen ist ein Tabu. Eine Arbeitsstelle, die Aussicht auf eine Verbesserung der Situation verspricht, ist trotz guter Ausbildung schwierig zu finden, um ein eigenes Business aufzubauen, fehlen die finanziellen Mittel. Eine Touristin aber kann dies alles bieten: Sexualität ist für sie Teil einer Beziehung, sie hat Geld, denn sie kann sich einen teuren Urlaub leisten und zu verlockend ist die Aussicht auf eine Heirat, die den Aufenthalt in ihrem Heimatland verspricht. Frauen schätzen dabei, zumindest anfänglich, die ungeteilte Aufmerksamkeit und Komplimente der Beznesser, die ihnen das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein. Sie gehen davon aus, eine Partnerschaft nach ihren Wertvorstellungen einzugehen und unterstützen ihren „Habibi“ deshalb auch gerne. Die vorliegende Arbeit beleuchtet im Folgenden Beznesser und Touristin in Hurghada näher und setzt sich mit ihren Motiven und Wertvorstellung auseinander. Auch das Konfliktpotential einer solchen Verbindung, begründet durch die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründe, wirdthematisiert. Abschliessend werden einige Aspekte der Auswirkungen von Bezness diskutiert.
Bezness
Nachdem ich selber längere Zeit in Hurghada gewohnt habe, stellte ich fest, dass es immer wieder Touristinnen gibt, die sich während des Urlaubs in Hurghada in Beznesser verlieben. Meist beginnt es mit einem harmlosen Gespräch - und endet damit, dass der Beznesser nach kurzer Zeit von Liebe, Heirat und einer gemeinsamen Zukunft spricht. Nachdem die Touristin wieder heimgereist ist, bleiben sie in Kontakt – er verbringt seine Zeit aber während sie weg ist bereits mit anderen Frauen. Kurze Zeit später reist die Touristin wieder nach Hurghada, um ihren „Habibi“ zu besuchen. Oder sie entschliesst sich, ihn zu heiraten, damit er mit ihr in ihrem Heimatland leben kann. Einige Ägypter betreiben dieses „business“ professionell, manipulieren, spielen Gefühle vor und bandeln mit mehreren Frauen gleichzeitig an, um mit Sex, Geld und wenn möglich durch eine Heirat ihre Lebensumstände zu verbessern. Die Frauen aber gehen von der grossen Liebe aus, geben ihre Existenz im Heimatland auf, um nach Hurghada zu gehen oder unterstützen ihre „Habibis“ beim Aufbau einer vermeintlich gemeinsamen Zukunft in ihrem Heimatland.
Definition
Nicht jede Beziehung zwischen einem Ägypter und einer Europäerin ist Bezness. Ich definiere „Bezness“ im Folgenden für meine Arbeit als Verbindung, bei der die Touristin von einer Beziehung nach „westlichen“ Vorstellungen ausgeht, während dem Ägypter die Verbindung als Lebensunterhalt und zum Vergnügen dient. Eine Verbindung im Sinne von Bezness und eine binationale Beziehung dürfen im Folgenden NICHT gleichgestellt werden.
Beweggrund und Motivation
Wenn es um das Thema Bezness geht, tauchen immer die gleichen Bemerkungen auf: „die Touristinnen sind selber Schuld, wie kann man nur so blöd sein“ und „Ägypter in Hurghada wollen sowieso nur Sex, Geld oder die Möglichkeit, nach Europa zu reisen“. Mit meiner Arbeit will ich im Folgenden aufzeigen, dass Motive und Ziele beider Seiten sehr vielschichtig sind. Die Gründe der Frauen, sich auf eine solche Verbindung einzulassen, sind oft vielseitig, Dummheit kann aber meiner Meinung nach nicht dazu gezählt werden. Höchstens Unwissen über die andere Kultur und das Problem, dass sie das Verhalten der Beznesser mit ihren eigenen Werten und Hintergründen einschätzen, seinen Worten glauben schenken und ihn deshalb ausgehend von der Überzeugung an eine gemeinsame Zukunft finanziell unterstützen. Gleichzeitig soll auch die Situation der Männer näher beleuchtet werden. Nach unseren moralischen Wertvorstellungen ist es verwerflich, was Beznesser machen. Kennt man aber die ägyptischen Vorstellungen einer Beziehung und die wirtschaftliche Lage, fällt die Beurteilung vielleicht etwas differenzierter aus. Wichtig ist mir hier nochmals zu erwähnen, dass es nicht darum geht, die eine oder andere Seite zu verurteilen, sondern nur darum, Hintergründe aufzuzeigen. Weiter geht es in meiner Arbeit weder um binationale Paare noch um weiblichen Sextourismus, sondern um Bezness. Ägypter allgemein werden nicht angesprochen, sondern nur ägyptische Beznesser. Insgesamt war der Hauptbeweggrund für die Wahl des Themas aber, über Bezness zu informieren. Immer noch wissen wenige Leute, was Bezness überhaupt ist. Bezness wird sich dabei in Zukunft auch durch diese Arbeit nicht vermeiden lassen. Ziel ist es aber, Bewusstsein für die gewaltigen Unterschiede in kultureller, wirtschaftlicher, religiöser und sozialer Hinsicht, das Konfliktpotential und die Auswirkungen einer solchen Verbindung zu schaffen.
Definition nach Wikipedia
Bezness wird bei Wikipedia im Bezug auf Nordafrika wie folgt definiert: Der Begriff Bezness ist nicht wörtlich übersetzbar, leitet sich jedoch von dem englischen Wort Business (dt. „Geschäft“) [und dem deutschen Wort Beziehung] ab und bezeichnet im weitesten Sinne "das Geschäft mit (europäischen) Frauen". Die primären Ziele von Bezness [für die Männer] sind eine sexuelle Beziehung zu den Touristinnen, Geld, sowie eine mögliche Aufenthaltsberechtigung im Heimatland der Frau durch eine eventuelle Ehe.
Definition für die Arbeit
Der Begriff Bezness stammt aus Nordafrika (ursprünglich aus Tunesien), wird aber durch die Berichterstattung in deutschen Medien auch hier immer mehr ein Begriff. Das Phänomen Bezness kann man nicht nur in Nordafrika beobachten, sondern in vielen touristischen Destinationen in der ganzen Welt. Wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens gibt es vor allem für die Karibik. In der wissenschaftlichen Fachliteratur wird dabei meist der Begriff Romanzen- oder Sextourismus3 verwendet. In Ägypten wird der Begriff „Bezness“ nicht verwendet und auch nicht verstanden, meist wird die Tätigkeit mit „to fish women“ umschrieben. Im Folgenden wird im Rahmen dieser Arbeit trotzdem nur der Begriff „Bezness“ verwendet, da dieser Begriff angebrachter als Romanzen- oder Sextourismus erscheint, um das Phänomen in Hurghada zu beschreiben.
In der Definition von Wikipedia fehlen allerdings Absichten, Ziele und Motive der Frauen gänzlich. Um diesen Aspekt zu ergänzen, wird im Folgenden „Bezness“ für diese Arbeit definiert als Phänomen, bei dem die Touristinnen von einer Beziehung/ Partnerschaft nach westlichem Verständnis ausgehen, während den Männern die Verbindung als Lebensunterhalt oder zum Vergnügen dient. Binationale Beziehungen, die den oben genannten Kriterien nicht entsprechen, werden also in dieser Arbeit NICHT angesprochen. Auch reiner Sextourismus oder Urlaubsflirts von Touristinnen werden NICHT untersucht, da diese nicht Bezness entsprechen (Aspekt der Beziehung fehlt). Durch die Definition wird auch klar, welches das grundsätzliche Problem von Bezness ist – nämlich dass beide Partner nicht die gleichen Vorstellungen, Motive und Ziele innerhalb der Verbindung haben. Wird im Folgenden von „Frau“ oder „sie“ in diesem Sinne gesprochen, wird damit die europäische Touristin gemeint. Wird dagegen vom „Mann“ oder „ihm“ gesprochen, ist darunter der ägyptische Beznesser zu verstehen.
Beweggründe und Motive sind immer auch abhängig von sehr vielen Faktoren. Verallgemeiner- ungen konnten nicht verhindert werden, da der Rahmen der Arbeit sonst gesprengt worden wäre, zumal keine wissenschaftliche Erkenntnissezu der Situation in Hurghada vorliegen.
Kriterien zur Definition anhand der Umfrage
In den Umfragen wurde den teilnehmenden Frauen auch die Frage gestellt, anhand welcher Kriterien sie Bezness definieren würden. Alle abgefragten Kriterien sind möglicher Bestandteil von Bezness und es sollte geprüft werden, inwiefern die Gewichtung dieser Kriterien variiert.
Vor allem die Kriterien, ob Geldforderungen gestellt werden, ob der Beznesser gleichzeitig noch Beziehungen mit anderen Frauen hat und dass er eine europäische Frau nur zu seinem Vorteil heiraten will, wurde von einem grossen Teil der Frauen als zutreffendes Kriterium für Bezness erachtet. Hinsichtlich der Höhe der Beträge bei Geldforderungen wurden verschiedene Angaben gemacht, meist wurde das Kriterium als erfüllt erachtet, wenn der Betrag 100 EUR8 überstieg. Zum Vergleich: Ein einfacher Hotelangestellter verdient in Hurghada ohne Trinkgelder im Monat zwischen 30 und 100 EUR. Bei der Frage nach anderen Beziehungen wurde angeführt, dass dieses Kriterium alleine nicht ausreiche, um Bezness zu definieren. Wenn der Mann aber mehrere Beziehungen gleichzeitig unterhält um seinen Gewinn zu maximieren, ist dies oft ein wichtiger Bestandteil von Bezness. Besonders die Absicht auf Heirat, um damit eine Aufenthaltsmöglichkeit im Heimatland der Frau zu erhalten, definieren 94% der Frauen als Kriterium für Bezness. Da direkte Geldforderungen gerne vermieden werden um das Misstrauen der Frau nicht zu wecken, wird oft nach (teuren) Geschenken, wie beispielsweise Handys, Kleider, Parfums oder Autos gefragt. Beim Altersunterschied wurde immer wieder die Überlegung angeführt, dass ein arabischer Mann normalerweise nie eine ältere Frau heiraten würde. Meist wurde ein Altersunterschied von zehn Jahren angegeben, wobei die Frau älter ist als der Mann, damit das Kriterium erfüllt ist. Bei weiteren Kriterien wurde mehrmals angegeben, dass Gefühle vom Beznesser nur vorge- täuscht werden, um sein Ziel zu erreichen, sowie gezielte Manipulation der Frau.
Auswertung der Fachliteratur
Leider gibt es keine Untersuchungen oder Literatur zu Bezness in Hurhgada. Wie schon erwähnt, kann das Phänomen aber in vielen touristischen Destinationen beobachtet werden. Die verfügbare Literatur9 setzt sich vor allem mit Sex- oder Romanzentourismus in der Karibik auseinander. Einzelne Artikel befassen sich mit Tunesien, Ecuador, Gambia und Indonesien. Diese liefern erste Erkenntnisse über das Vorgehen, Motive und Hintergründe der Männer und Frauen. Anhand dieser Informationen und Kriterien aus der Fachliteratur wurde die Situation in Hurghada ausgewertet. Die Erkenntnisse aus bestehenden Studien wurden, wo angebracht, mit den eigenen Beobachtungen und Erfahrungen anderer in Hurghada verglichen und zur Untermauerung der Erkenntnisse aus den Umfragen und Foren beigezogen.
Umfragen und Auswertung der Foren
Wie schon erwähnt wurden bisher im Zusammenhang mit Bezness und Hurghada keine Untersuchungen durchgeführt. Um dennoch erste Anhaltspunkte zu haben, wurden verschiedene Online-Umfragen gemacht. Dazu wurde ein Link zum Fragebogen10 in verschieden Foren eingestellt:
www.1001geschichte.de ist die Website der deutschen Autorin Evelyne Kern, die durch eine Beziehung mit einem Tunesier selber Erfahrung mit Bezness machte. Sie hat ihre Erfahrungen im Buch „Sand in der Seele“11 verarbeitet und daraufhin das Forum für betroffene Frauen eingerichtet. Insgesamt haben an der Umfrage12 88 Frauen teilgenommen, die in Hurghada waren. Sie wurden unter Anderem zu möglichen Motiven von Frauen und Männern und zur Definition von Kriterien von Bezness befragt. Die Mehrheit der Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stammt aus Deutschland (78%), je 7% stammen aus Österreich und der Schweiz. Die Altersspanne umfasst 17-63 Jahre. Nicht alle diese Frauen sind oder waren von Bezness betroffen, viele Leserinnen der Website sind allerdings in irgendeiner Form involviert. Die Betreiber des Forums akzeptieren keine Beiträge über funktionierende binationale Bezieh- ungen – insofern muss man sich bewusst sein, dass sich das Forum AUSSCHLIESSLICH „dem Kampf gegen Bezness“ widmet. Mögliche Erklärungen zum Verhalten der Männer werden nicht berücksichtig. Somit kann die Umfrage nicht als allgemein repräsentativ bezeichnet werden, nur in Bezug auf das Forum.
www.dezy-house.ru Der Fragebogen wurde weiter in das russische Forum „Dezy House“ eingestellt, welches Beschreibungen und Fotos von „Tätern“ veröffentlicht. Durch diese weitere Umfrage sollte eruiert werden, ob es eine unterschiedliche Haltung der deutschsprachigen/ westeuropäischen und russi- schen/ osteuropäischen Frauen im Bezug auf Bezness gibt bzw. obdiese Frauen Bezness anders definieren. Der Link zum englischsprachigen Fragebogen wurde aber nach kurzer Zeit gelöscht und er konnte nur von drei Teilnehmerinnen ausgefüllt werden. Somit ist es unmöglich, einen aussagekräftigen Vergleich zu machen. Im Folgenden wurden diese drei Antworten deshalb vernachlässigt.
www.egyptsearch.com Das Forum wird von Ägyptern und Ägypten-Fans genutzt. An der englischsprachigen Umfrage haben neun ägyptische Männer teilgenommen. Mit Ausnahme von einer Person stammen alle befragten Männer aus Kairo. Der Ausbildungsgrad reicht von keiner abgeschlossenen Ausbildung bis zum Master. Durch die tiefe Anzahl von Antworten kann auch diese Umfrage als nicht repräsentativ bezeichnet werden. Eine persönliche Befragung der Beznesser hat bewusst nicht stattgefunden. Durch das Forum, die Literatur und persönliche Erfahrungen kann aber doch ein breiter Überblick über mögliche Motive gegeben werden. Insgesamt decken sich diese mit den Antworten aus der Umfrage. Die Ergebnisse der Umfragen werden im Folgenden in die Arbeit einfliessen. Auch die Diskussionen und Geschichten auf den Foren wurden verwendet, um die Erkenntnisse auszuwerten und zu stützen.
Interviews
Eine Interviewanfrage vom 12. April 2007 beim ägyptischen Fremdenverkehrsamt in Bern wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dies ein zu persönliches Thema sei, um sich offiziell zu äussern. Die ägyptische Botschaft in der Schweiz wie auch in Deutschland haben Interviewanfragen per Mail nicht beantwortet. Am 21. Mai 2007 wurde ein Interview mit dem Imam der Moschee Bern, Ahmed Omar, durchgeführt. Der Imam berät muslimische und binationale Paare im Falle von Konflikten. Die Erkenntnisse aus dem Interview sind vor allem in das Kapitel 7 (Konflikte) eingeflossen.
Eigene Erfahrungen
Schliesslich sind auch eigene Beobachtungen und Erkenntnisse, gesammelt während einem einjährigen Aufenthalt der Autorin in Ägypten, mit in die Arbeit eingeflossen.
Stand der Fachliteratur
Wie schon erwähnt, gibt es bisher erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Situation in der Karibik. Insbesondere in Jamaika und der Dominikanischen Republik wurden schon Studien und Befragungen mit Betroffenen durchgeführt. Im Moment findet im wissenschaftlichen Diskurs eine Kontroverse statt. Diese dreht sich um die Frage, ob im Hinblick auf die Karibik die Bezeichnung „Romanzentourismus“ oder „Sextourismus“ angebrachter für das Verhalten der Touristinnen ist. Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weiter auf diese Kontroverse einzugehen, grundsätzlich geht es aber um die Diskussion, welche Motive die Frauen haben (romantische Beziehung oder Sex) und die Frage, ob sich ihre Motive von jenen der männlichen Sextouristen unterscheiden. Auch die Frage, ob es sich bei diesem Phänomen um Prostitution handelt, soll hier, anders als in der Fachliteratur, nicht weiter diskutiert werden. Sicherlich spielen ökonomische Überlegungen der Männer eine wichtige Rolle, aus seiner Sicht würde sich aber kein Beznesser als Prostituierter bezeichnen. DAHLES und BRAS argumentieren in ihrem Artikel, dass man solche Verbindungen weder mit dem Konzept „Prostitution“ noch dem Konzept „Liebe“ treffend charakterisieren kann. 19 Stand Februar 2007. Inzwischen sind die Resultate einer weiteren Studie zu Dahab (Ägypten) erschienen. Leider konnten diese aber für die Arbeit nicht mehr berücksichtigt werden. Der Voll- ständigkeit halber soll diese aber hier dennoch erwähnt werden. Abdalla, Mustafa - Beach Politics: Gender and Sexuality in Dahab, The American University in Cairo Press (30. April 2007)
In dieser Arbeit wird grundsätzlich auf die Begriffe Romanzen- oder Sextourismus verzichtet, da es um Bezness, mit der in Kapitel getroffenen Definition, geht. Dabei spielt der grundsätzliche Unterschied im Verständnis der Verbindung eine so grosse Rolle, dass weder der Begriff „Liebesbeziehung“ noch „Prostitution“ (sexuelle Leistung gegen Bezahlung) das Phänomen als Ganzes erfassen können. Obwohl die bestehende Literatur diesen Aspekt oft ausser Acht lässt und sich nur mit Sex- oder Romanzentourismus befasst, sind die bestehenden Erkenntnisse, wo angebracht, in diese Arbeit eingeflossen. Sexualität oder finanzielle Interessen sind wichtige Aspekte von Bezness, aber eben nicht die Einzigen. Nebst der Literatur über die Karibik gibt es einzelne Artikel zu Gambia, Indonesien, Ekuador, Israel und Tunesien, sowie ein Buch über weiblichen Sextourismus, welches erst kürzlich erschienen ist. Eine Übersicht der verwendeten Literatur befindet sich in der Bibliographie.
Zielsetzung
Vordringlichstes Ziel der Arbeit ist es, über das Phänomen Bezness in Hurghada zu informieren. Dabei sollen Motive BEIDER Seiten näher beleuchtet werden, auf das Konfliktpotential einer solchen Verbindung eingegangen und mögliche Auswirkungen auf das Umfeld aufgezeigt werden. Ziel der Kapitel 3 und 4 ist es darzustellen, inwiefern sich die Destination Hurghada auf das Phänomen Bezness eingestellt hat und Infrastrukturen und institutionelle Einrichtungen darauf abgestimmt wurden. Auch mögliche Voraussetzungen, die Bezness in Hurghada begünstigen, sollen nicht ausser Acht gelassen werden. Dadurch, dass beiden Partnern ein ganz anderes Verständnis von Beziehung zugrunde liegt, gibt es auch unterschiedliche Motive, Bedürfnisse und Ziele. Diese sollen in den Kapiteln 5 und 6 näher beleuchtet werden. Das Handeln beider Parteien soll in keiner Weise entschuldigt oder verurteilt werden, sondern es wird auf die unterschiedliche Beurteilung durch andere kulturelle, gesellschaftliche und persönliche Hintergründe eingegangen. Durch diese unterschiedlichen Hintergründe entsteht ein grosses Konfliktpotential. Ziel des Kapitels 7 ist es, auf dieses hinzuweisen. Kein Ziel der Arbeit ist, eine Lösung für diese Konflikte zu finden. Kultur und Gesellschaft prägen Personen so stark, dass es schwierig sein dürfte, Konflikte, die einer Bezness-Verbindung zugrunde liegen für beide Seiten befriedigend zu lösen, zumal die Bereitschaft zur Konfliktlösung wohl kaum vorhanden ist. Abschliessendes Ziel des Kapitels 8 ist es, einige Aspekte der Auswirkungen von Bezness auf die Bereisten, deren Umfeld, sowie auf die Touristinnen aufzuzeigen. Grundsätzlich befasst sich die Arbeit nicht mit Touristinnen, die ausschliesslich aus sexuellen Motiven reisen und auch nicht mit „normalen“ binationalen Beziehungen.
Die Rolle des Tourismus
Bis in die achtziger Jahre war Hurghada ein kleines Fischerdorf. Nach dem Bau von einzelnen Hotelanlagen entwickelte sich der Ort während den neunziger Jahren immer mehr zur massentouristischen Destination. Im Jahr 2004 wurden über eine Million Touristenankünfte registriert, alleine in den ersten vier Monaten des Jahres 2005 waren es schon über 700'000 Ankünfte. Hurghada ist eine der beliebtesten Tauch- und Badeferiendestinationen Ägyptens. Einheimische Kultur hat die Stadt (ausser einer Moschee) keine zu bieten. Dafür werden den Touristen Ausflüge nach Kairo oder Luxor angeboten. Der Tourismus nimmt in der ägyptischen Volkswirtschaft einen wichtigen Stellenwert ein, nach Schätzungen produziert er über 20% des ägyptischen BIP. Somit wird durch den Tourismus eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen. Alleine in den 136 momentan bestehenden Hotels in Hurghada mit einer Bettenkapazität von 57'000 Betten arbeiten fast 30'000 Personen. An weiteren 33 Hotels wird im Moment noch gebaut. Wegen seiner positiven wirtschaftlichen Effekte trägt der Tourismus auch zur Stabilisierung des politischen Systems bei. Nach den Anschlägen in Luxor im September 1997 und dem dadurch begründeten Ausbleiben von westeuropäischen Touristen wurde die Destination verstärkt vom russischen und osteuropäischen Markt entdeckt. Der Anteil an russischen (ohne osteuropäischen) Besuchern beträgt heute in Hurghada über 10%, mit steigender Tendenz, da die Verantwortlichen im Moment vor allem in die Akquirierung des osteuropäischen Marktes investieren. Auch verschob sich durch den Anschlag das Gewicht vom Kulturtourismus in Kairo und Oberägypten vermehrt in Richtung Bade- und Strandtourismus (vor allem Rotes Meer/ Hurghada und Sinaihalbinsel/ Sharm el-Sheik). Ein grosser Teil der touristischen Wertschöpfung verbleibt nunmehr in den Händen der ausländischen Grosskonzerne, die in firmenintegrierte Ressorts an den Küsten investierten. Durch diese Konzentration der Marktmacht verlieren die einheimischen Leistungsträger immer mehr an Einfluss.
Entwicklung
Mit der Zunahme des Badetourismus wuchs die Bevölkerung Hurghadas innerhalb von kürzester Zeit auf bis über 87’000 Einwohner. Hinzu kommen etwa 140'000 Pendler, die unregelmässig in Hurghada direkt oder indirekt vom Tourismus leben. Die fast ausschliesslich männlichen Bewohner verlassen ihre Familien, meist aus Kairo und Oberägypten, um in den Badedestinationen Arbeit und Verdienst zu finden. Schon in der Infrastruktur Hurghadas ist zu erkennen, dass die Stadt explosionsartig wuchs und nicht die normalen ägyptischen Gesellschaftsstrukturen aufweist. Wasser, welches aber nicht trinkbar ist, muss grösstenteils mit Tanklastwagen aus dem 230 km entfernten Qena herbei transportiert werden. Zum Trinken und Kochen müssen abgefüllte Wasserflaschen gekauft werden. Die Stadt ist in zwei Sphären geteilt – der Bereich der Touristen ist relativ sauber, die Hotelanlagen modern, die Zugangsstrassen betoniert. Der Bereich der Bevölkerung verfügt über keinerlei Abwassersystem, die Abwassergruben der Häuser werden regelmässig ausgepumpt. Eine Abfallentsorgung gibt es nicht, der Kehricht stapelt sich in den ungeteerten Strassen. Hurghada verfügt praktisch nur über möblierte Wohnungen oder Studios, die meist von mehreren Männern geteilt werden. Geschäftszweige wie Wäschereien und kleine Imbisse florieren, da keine Familien mit Frauen vorhanden sind, welche sonst die Aufgaben innerhalb des Haushaltes übernehmen. Weiter entstand eine Vielzahl von Internetkaffees, durch welche die Kommunikation nach aussen sichergestellt werden kann. Oft kann man Beznesser dort beobachten, wie sie mit verschiedenen Frauen gleichzeitig chatten. Obwohl die Lebensunterhaltskosten in Ägypten tiefer sind als in der Schweiz, sind die Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Kleider in Hurghada durch den Tourismus enorm gestiegen. Allein die Miete für eine möblierte Dreizimmerwohnung liegt im Moment bei etwa 1500 LE (ca. 320 CHF). Bei einem durchschnittlichen Verdienst eines Hotelangestellten von 150 CHF pro Monat müssen die Wohnungen meist von mehreren Männern geteilt werden. Durch die Öffnung des russischen Marktes kam es zu einem signifikanten Preiszerfall. Ein vier Sterne Haus in Hurghada verkauft ein Zimmer all-inclusive heute für neun US-Dollar pro Tag und Person an die ägyptischen Reiseveranstalter. Um im hart umkämpften, osteuropäischen Markt bestehen zu können, werden die Zimmer zum gleichen Preis an die russischen Reiseveranstalter weiterverkauft. Somit leben die ägyptischen Reiseveranstalter meist vom direkten Verkauf von Ausflügen an Touristen, sowie den Einnahmen aus Kommissionen von Verkäufen während diesen Ausflügen.
Angebotsstruktur
Die Destination ist ganz auf die Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet, in der Hauptverbind- ungsstrasse (Sheraton Road) reiht sich Souvenirshop an Souvenirshop. Die weitere touristische Infrastruktur von Hurghada umfasst vor allem Hotels, Restaurants und Einrichtungen weiterer touristischer Leistungsträger. Ägyptern ist der Zugang zu Hotels und deren Stränden untersagt, in Discotheken wird ihnen meist nur mit weiblicher Begleitung Eintritt gewährt. Da der Markt für Souvenirs (nebst der Arbeit in einem Hotel oder als Reiseführer ein wichtiger Erwerbszweig) einerseits total überschwemmt ist und andererseits die finanzstarke Klientel fehlt (Abnahme der westeuropäischen Gäste), führte der Konkurrenzkampf auch hier zu einem Zusammenbruch der Preise. BOWMAN beschreibt in seinem Artikel die Situation in Jerusalem, die aber genauso auf die Lage in Hurghada zutrifft: The merchants of the tourist market, (…), strove to sell nearly identical items – mementoes with little if any use value – o a transient population which was only vaguely desirous of souvenirs. They neither sold the sorts of good which ensured demand, provided the sort of specialization which made one shop different from the next, nor could depend on a flow of established customers (…). In consequence, the tourist suq [market] (…) was, to a rather brutal degree, a buyer’s market.
Informeller Sektor
Durch die schwierige Ertragslage nimmt der informelle Sektor in Hurghada eine wichtige Rolle ein. Als informeller Sektor wird landläufig der Teil einer Volkswirtschaft bezeichnet, der im Gegensatz zum formellen Sektor nicht durch formalisierte Beschäftigungsverhältnisse geprägt ist und sich dadurch der staatlichen Kontrolle oft entzieht. Die Tätigkeit im informellen Sektor ermöglicht je nach Erfolg eine Neben- oder Hauptein- nahmequelle, da die Beschäftigung im formellen Sektor ein zu kleines Einkommen generiert um den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren. Im informellen Bereich wird vor allem durch Vermittlungstätigkeiten versucht, eine Kommission zu erwirtschaften, beispielsweise bei der Vermittlung einer Wohnung, eines Ausfluges, eines Autokaufs oder bei Einkäufen. Da die Vermittlungstätigkeit einen finanzstarken Investor voraussetzt, sind Touristinnen gerne gesehene „Partner“. Der informelle Sektor ist auch deshalb so wichtig, weil viele Männer gar nicht eine ausreichende Bildung haben, um eine Arbeit im formellen Sektor zu finden. PRUITT und LAFONT erwähnen (in Zusammenhang mit Jamaika) folgendes: Yet, uneducated and unskilled young men living near the resort areas are effectively cut off from formal jobs in the tourism industry. The prevalence of romance tourism [d.h. Bezness] has meant that increasing numbers of young men routinely view a relationship with a foreign woman as a meaningful opportunity for them to capture (the love and) money they desire. In Hinblick auf Bezness kommt dem informellen Sektor eine besondere Bedeutung zu, da die Reisen und Aufenthalte der Frauen oft privat organisiert sind. Weiter besteht innerhalb des informellen Sektors eine Art Netzwerkfunktion, indem man beispielsweise im Souvenirshop, in welchem der Cousin oder jemand aus dem gleichen Dorf arbeitet, mit der Frau einkauft. Ressourcen verbleiben innerhalb des Netzwerkes und man kann darauf zählen, dass sich der Cousin oder Freund bei der nächsten Gelegenheit revanchiert. Somit wird auch der maximale Nutzen des Multiplikatoreffekts sichergestellt. Dies ist auch eine Erklärung dafür, dass kein Interesse an moralischen Überlegungen besteht, immerhin profitiert auch das Netzwerk. Eine Institutionalisierung dieser Strukturen wird weitgehend ausgeschlossen, auch wenn es (bedingt verlässliche) Quellen gibt, die behaupten, dass in Hurghada junge Männer von Mitarbeitern der Reiseveranstalter mittels Katalogen an (russische) Frauen angeboten werden. Um den informellen Sektor einzudämmen, durch welchen der Staat Geld verliert und welcher den Aufenthalt von unerwünschten, informellen Arbeitern in Hurghada ermöglichte, wurden im Herbst 2006 alle Ausflugsbüros ohne staatliche Lizenz geschlossen. Diese verkauften den Touristen auf der Strasse Ausflüge, die weit unter den offiziellen Preisen der Hotels und Touroperatoren lagen. Meist wurden die Ausflüge von denselben Leistungsträgern durchgeführt, die Touroperatoren verkaufen diese aber mit einer sehr hohen Gewinnspanne, da sie eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Der über den informellen Sektor verkaufte Ausflug aber musste neben den anfallenden Kosten nur die Kommission / Gewinn des Vermittlers und Anbieters decken und war somit günstiger. Mit der Schliessung dieser Ausflugsbüros verloren viele einen für sie wichtigen Nebenverdienst.
Verlauf
Die Bezness-Geschichten in Hurghada laufen meist nach einem ähnlichen Schema ab. Die Frau fliegt nach Hurghada in den Urlaub, nicht selten zur Erholung nach einer einschnei- denden/ stressigen Situation (beispielsweise Arbeit, Trennung oder Verlust). Manche Frauen machen aber auch Urlaub mit ihren Kindern und dem Ehemann. In den meisten Fällen besteht absolut nicht die Absicht, sich sexuell oder irgendwie anders mit einem einheimischen Mann einzulassen. In Hurghada angekommen, lernt die Touristin einen Beznesser im Hotel, auf der Strasse oder im Café kennen. Anders als die ägyptische Frau beantwortet die Touristin eine Frage (z.B. „Your first time in Hurghada?“) aus reiner Höflichkeit und gibt dem Beznesser damit die Chance, ein Gespräch zu beginnen. Zudem wünscht sich die Touristin, mehr über das Land, in welchem sie Urlaub macht, zu erfahren. Meist folgt auf ein oder mehrere belanglose Gespräche eine schüch- terne Einladung. Die Touristin ist fasziniert von seiner Art, sie als etwas Besonderes zu sehen und ihr seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, und sagt zu. RIGO führt an, dass diese Idealisierung der Frau bei vielen Touristinnen, ihrem westlichen und romantischen Liebesbegriff entsprechend, falsche Illusionen hervorruft. Manche Touristinnen gehen mit ihrer Urlaubsbekanntschaft bis zum Äussersten, bei anderen passiert vorerst gar nichts. Entscheidend ist aber, dass die Verbindung nach dem Ende des Urlaubs nicht abbricht und sich der Kontakt intensiviert. Unzählige Telefonate folgen und Stunden werden im Internetchat verbracht, um sich besser kennen zu lernen.
Die seelische Verfassung, das Aussehen und Alter der Frau spielen dabei oft eine entscheidende Rolle. Verzweiflung, (Existenz)Angst, Naivität, Trauer, Zurückweisung anderer Männer und Minderwertigkeitskomplexe erleichtert ihm das Bekunden von Werten wie Schutz, Bestätigung und Anerkennung, die für ihn selber keine Bedeutung haben. Ihr aber vermitteln diese das Gefühl von Selbstvertrauen, Geborgenheit und Liebe. Oft ist der Altersunterschied relativ gross, er beispielsweise 19, sie über 60 Jahre alt. Dabei wird abgewogen, ob es besser ist, sich mit einer älteren Frau einzulassen, weil diese finanziell meist besser gestellt und unabhängiger ist. Wie man in Hurghada so schön sagt: „No money – no honey“. Jüngere Frauen sind beliebt, wenn es um Sex geht und weil man sich mit ihnen lieber in der Öffentlichkeit zeigt. Die Touristin kehrt nach einiger Zeit wieder nach Hurghada zurück oder er reist in das Heimatland der Frau. Die Touristin geht dabei davon aus, dass man sich gemeinsame eine Zukunft aufbauen will. Viele Frauen reisen dabei mehrere Male nach Hurghada, ohne zu wissen, dass sie nicht die Einzigen sind. Wenn verschiedene Frauen gleichzeitig in Hurghada sind, versteht es der Beznesser meist geschickt, sie voneinander zu verstecken. Das ganze Umfeld weiss dabei meist Bescheid, sagt aber nichts. Viele Frauen schlagen Warnungen auch in den Wind und leiden unter dem so genannten „AMIGA-Syndrom“. Die Frauen finanzieren oft den gesamten Aufenthalt, inklusive Ausgaben für Anreise, Miete, Essen und Geschenke. Viele Frauen schicken auch während ihrer Abwesenheit Geld, um der kranken Mutter eine Operation zu ermöglichen, weil sie sonst stirbt oder um Schulden zu begleichen, weil der Beznesser sonst angeblich ins Gefängnis wandern würde.
Oder sie kauft ein Haus, ein Auto oder finanziert sein eigenes Geschäft. Einige Frauen geben die Existenz in ihrem Heimatland auf, um nach Hurghada umzusiedeln, andere heiraten, um den Mann in ihr Heimatland nachkommen zu lassen. Tempo, Intensität und Ausmass unterscheiden sich dabei von Fall zu Fall. Gemeinsam bleibt aber all diesen Geschichten, dass die Ziele und Absichten der Touristin eine Beziehung nach ihren Vorstellungen ist, der Mann aber vor allem seine Existenz sichern möchte. Leider sind keine offiziellen Zahlen über Bezness in Hurghada verfügbar, geschweige denn über andere nordafrikanische Destinationen. Evelyne Kern schätzt die Lage in Tunesien folgendermassen ein: „Allein aus Deutschland werden der Deutschen Botschaft in Tunis jährlich etwa 1700 schwere Betrugsfälle [von Frauen] gemeldet. Die Dunkelziffer liegt jedoch wesentlich höher, weil nicht jede Frau Anzeige erstattet." Es wurde versucht zu eruieren, ob die Besucherzahlen von weiblichen Gästen über jenen von anderen Destinationen liegen, allerdings gibt es dazu leider keine Zahlen (in bestehenden Erhebungen wird nicht nach Geschlecht unterschieden). Weiter erschwert wurde die Recherche, da viele Frauen privat logieren – insgesamt ist es nicht möglich, hier eine verlässliche Aussage über das Ausmass von Bezness in Hurghada zu machen.
Die ägyptischen Beznesser
Der ägyptische Beznesser kann kaum charakterisiert werden. Es kann der Besitzer eines grossen Reisebüros sein, der Sex will, es kann aber auch der Angestellte eines Souvenirshops sein, der gerne einen eigenen Shop eröffnen möchte oder der Kellner in einem Hotel, der davon träumt, in Europa zu arbeiten. Motive, Ziele und Vorgehen hängen sehr stark davon ab, welches die persönliche Situation des Mannes ist und was er in seiner Zukunft erreichen möchte. Mehr zu den Motiven der Männer findet sich in Kapitel 5. In Hurghada gibt es eine Art inoffizielle Gesellschaftshierarchie. Zuoberst steht, wer ein eigenes Geschäft oder Unternehmen hat. An zweiter Stelle stehen die Angestellten des formellen Sektors, beispielsweise in einem Hotel. An dritter und letzter Stelle stehen die Angestellten der Bazare (mit oft informellen Anstellungsverhältnis). Kharti’s werden diese genannt und müssen die Touristen von der Strasse fischen. Wer erfolgreich verkauft, hat Anspruch auf eine Kommission. Je tiefer also jemand in dieser Hierarchie steht, umso interessanter und wichtiger ist für ihn auch der ökonomische Aspekt von Bezness.
Die Vorstellung einer Beziehung
In der Vorstellung der Ägypter gilt die Ehe als einzig rechtlich legale und gesellschaftlich akzeptierte Verbindung zwischen Mann und Frau. Aussereheliche Verbindungen gibt es zwar, sie entsprechen aber in keiner Weise geordneten Verhältnissen.
POLLOK beschreibt die Vorstellung der Ehe folgendermassen: Nach islamischem Recht stellt die Ehe einen zivilrechtlichen und von ökonomischen Interessen ausgehenden Vertrag dar. Umarmungen, Küsse und selbst das Händchenhalten fallen mit dem, was wir von erster Verliebtheit an miteinander erleben, in der arabischen Gesellschaft aus dem Rahmen des Normensystems. Darüber hinaus besteht überhaupt kein Anspruch, Verliebte miteinander zu verehelichen, da sich die Gefühle wirtschaftlichen Vorteilen unterordnen müssen. Liebe zwischen Eheleuten drückt sich dementsprechend in Geschenken und nicht durch Zärt- lichkeit aus, da das Zusammenleben nicht auf gefühlvoller Zuwendung basiert und anders als bei uns verstanden wird. Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt es nicht, wie SOOKHDEO anführt: [Das Problem] ist, dass diese Art der geschlechterübergreifenden Freundschaft in seiner Kultur überhaupt nicht existiert. Durch diesen freundschaftlichen Umgang aber gibt sie ihm für ihn unmissverständliche Signale, da er denken muss, sie wolle eine physische Beziehung und ermu- tige ihn dazu. Durch diese Ausführungen wird nun klar, inwiefern das Verständnis eines ägyptischen Mannes für eine Beziehung sich total vom Verständnis einer westlichen Frau unterscheidet. Auch wird klar, dass er wegen seines anderen Verständnisses kaum Reue oder Gewissensbisse aufbringen wird, Bezness zu betreiben. Auf die daraus entstehenden Konflikte wird nochmals näher in Kapitel 7.2 eingegangen. Da es in Hurghada theoretisch illegal ist, unverheiratet zusammenzuleben, haben sich die Orfi-Ehen etabliert. Dies ist ein Beispiel, inwiefern Bezness in Hurghada zu einer Institutionali- sierung geführt hat. Ägyptern ist es in Hurghada verboten, sich auf der Strasse mit Touristinnen zu bewegen, als Konsequenz kann man verhaftet werden. Durch diese halblegalen, bei einem Anwalt im Beisein von zwei Zeugen angefertigten Orfi-Dokumente kann man sich auf der Strasse ungefährdet bewegen und zusammen eine Wohnung mieten. Dabei werden die Personalien beider Partner aufgenommen und der Vertrag wird im Beisein der beiden Zeugen unterschrieben. Eine Kopie verbleibt dabei normalerweise beim Anwalt, eine zweite verbleibt beim Paar. Anschliessend kann der Vertrag im Familiengericht bei Bedarf beglaubigt werden und als Grundlage für eine „echte“, aber nur in Ägypten anerkannte Heirat, dienen. Allerdings können aufgrund eines Orfi-Dokuments seitens der Frau keinerlei Forderung gestellt werden und die Frauen wähnen sich durch die „Heirat“ in falscher Sicherheit. Der Mann kann ihr theoretisch die Ausreise aus dem Land verbieten. Weiter kann Frau in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn sie mehrer solcher Verträge unterschreibt (die Frau darf, im Gegensatz zum Mann, nur einmal heiraten). Viele Männer schliessen Orfi-Verträge mit mehreren Frauen oder benutzen immer den gleichen Vertrag, auch wenn sie mit einer anderen Frau unterwegs sind. Inzwischen kann man einen solchen Vertrag sogar schon in der Diskothek anfertigen lassen, um jemanden, den man erst gerade kennen gelernt hat, mit nach Hause zu nehmen. Insgesamt sind diese Verträge sehr umstritten und werden als Beweismittel im Falle eines Betruges nicht anerkannt. Auch sind sie wie schon erwähnt nur halblegal, wenn man beispielsweise zusammen ein Hotelzimmer buchen möchte oder aus Hurghada mit privatem Auto „ausreisen“ will, ist der vom Gericht ausgestellte Ehevertrag nötig. Nach offiziellen Angaben wird die Zahl dieser Orfi-Ehen in ganz Ägypten auf 700'000 geschätzt. Auch Orfi-Ehen zwischen Ägyptern und Ägypterinnen sind keine Seltenheit mehr, meist weil man sich eine Heirat nicht leisten kann oder eine zweite Ehefrau geheim halten will. Sehr oft sind gerade ältere Beznesser schon mit einer ägyptischen Frau, mit der er auch Kinder hat, verheiratet. Viele ägyptische Frauen tolerieren die Verbindungen, meist haben sie auch gar keine andere Wahl. Eine Quelle bezeichnet sogar die ägyptischen Ehefrauen als mögliche treibende Kraft für Bezness, weil sie sich dadurch eine Verbesserung ihrer Lebensumstände erhofft.
Ehrbegriff und Status
Wie schon erwähnt befinden sich die Männer in Hurghada meist ausserhalb ihres gewohnten Umfeldes, da ihre Familien aus Oberägypten oder Kairo stammen. Somit geniessen die Männer eine gewisse Anonymität und entfliehen der Kontrolle der Familie. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch ein wichtiges Merkmal ihrer Identität. In ihrem Dorf oder Viertel kennt jeder seine Familie und alle wissen, welche gesell- schaftliche Stellung diese einnimmt – die Rollen sind fest verteilt. Familie und Ehre erfüllen somit eine identitätsstiftende Funktion. Ehre ist eine spezifische Vorstellung, durch die gesellschaftliche Verhältnisse geregelt werden. Es geht um den Rang und das gesellschaftliche Ansehen einer Person, aber nicht der isolierten Einzelperson, sondern der Person als Mitglied oder Repräsentant einer Familie. (…) in tradition- alen [arabischen] Gesellschaften ist die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft durch seine Zugehörigkeit zu einer bestimmen Familie gegeben. (…) Die Ehre ist deshalb ein Besitz, der stets gefährdet ist. Die Familienmitglieder werden streng darüber wachen, dass der Einzelne durch sein Auftreten in der Öffentlichkeit diesem kollektiven Gut kein Schaden zufügt. Da in Hurghada die meisten Männer aber ohne ihre Familie sind und ihnen somit eine wichtige, auf tribalem Verständnis aufgebaute Identifikation fehlt, nimmt ein anderes Attribut plötzliche eine wichtige Stellung ein: Status.
In (modernen) Gesellschaften, die durch innere Dynamik, also Durchlässigkeit oder Umwälzung oder Abschaffung der Klassen- oder Standesschranken definiert sind, ist die Stellung des Einzelnen eher etwas, das er (durch Leistung) erwirbt, also ein Status. Dies erklärt, wieso die Beznesser unbedingt zu Reichtum und Besitz kommen wollen. Sie haben ihren Familienverbund verlassen und müssen sich nun weitgehend anders identifizieren, auch um erfolgreich wieder zurückzukehren. Die in Kapitel 3.4 beschriebene Netzwerkfunktion kann die Familie dabei nicht vollständig ersetzen. Nur indem die oftmals jungen Männer einen gewissen Status innerhalb eines anders strukturierten Gesellschaftssystems erwerben, können sie auch nachhaltig zu ihrer Identität und zur Ehre der Familie beitragen. Der Ehrbegriff nimmt aber weiterhin eine wichtige Rolle ein. Da Touristinnen dem Ehrbegriff mit ihrem Verhalten und der Kleidung nicht gerecht werden, ist für die Beznesser ihr Handeln gerechtfertigt.
Die europäischen Touristinnen
Ähnlich wie bei den ägyptischen Männern ist es kaum möglich, die Gruppe der betroffenen Touristinnen zu beschreiben, da diese nicht homogen ist. Deshalb können weder im Bezug auf Alter, Ausbildung noch Einkommen eine genaue Aussage gemacht werden. Diese Erkenntnis wird auch von der gemachten Umfrage gestützt. Für die befragten Frauen steht im Urlaub insbesondere das Bedürfnis nach Erholung im Vordergrund. Dagegen steht aber Sex oder die Suche nach einem Partner im Hintergrund. Wie HEROLD70 feststellt, fährt die grosse Mehrheit der Frauen nicht mit der Absicht in den Urlaub, sich dort mit einem einheimischen Mann einzulassen. Wenn dies dennoch geschieht, sehen die Meisten diese Verbindung aber als romantisch und nicht sexuell. Auch JEFFREYS führt dazu an: “The woman tourists (…) do not recognize that the men are interested in monetary reward and consider that they are being genuinely wooed for a short-term romance or something more serious.”
Diese schon erwähnte Diskrepanz im Verständnis für die Verbindung führt zu Konflikten. Insbesondere Frauen, die zum ersten Mal nach Hurghada reisen und wenig über die Hintergründe wissen, beurteilen die Situation oft mit dem Hintergrund ihrer eigenen Herkunft. Offen und freundlich sein, besonders in Urlaub, ist selbstverständlich, wie auch alleine in den Urlaub zu fahren. Ägyptische Männer beurteilen dieses Verhalten aber mit ihren eigenen Werten und haben deshalb ein ganz anderes Bild der Touristin. Viele Frauen machen zudem die Erfahrung, dass sie sich nicht erklären können, welches genau die Gründe für ihr Verhalten sind: …, my behavior deviated so sharply from that at home that I shocked myself. A completely new woman whom I’d never met (…), with no selfawareness as to why. (…) So we know that a woman will behave differently away from home, but we still wonder exactly why. In den beiden folgenden Kapiteln werden nun die möglichen Motive der Beznesser und Touristinnen diskutiert.
Motive der Männer
In diesem Kapitel werden die Resultate der Umfrage zu den Motiven der Männerpräsentiert. Zuerst wird jeweils die Beurteilung der befragten Frauen bzw. Männer aufgezeigt, anschliessend werden diese mit Hilfe von bestehenden Quellen interpretiert.
Langeweile Frauen und Männer schätzen Langeweile nicht unbedingt als wichtiges Motiv von Männern für Bezness ein. Somit ist Bezness weder ein Hobby noch ein Zeitvertrieb, sondern hat andere Motive und Hintergründe
Finanzielle Motive Die Umfragen haben ergeben, dass 97% der Frauen glauben, dass finanzielle Absichten ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Männer darstellen. Bei den ägyptischen Männern sind es 89%, welche die finanziellen Motive als sehr bis ziemlich wichtig einschätzen. Wie schon erwähnt, ist das Einkommen vieler Ägypter sehr tief. Allerdings muss man hier auch nach Erwerbstätigkeit unterscheiden. Ein Angestellter in einem Bazar arbeitet normalerweise auf Kommissionsbasis, diese beträgt zwischen 20 und 25% des Gewinnes. Einen durchschnittlichen Verdienst anzugeben ist sehr schwierig, da dieser stark vom verkauften Gut, dem erzielten Preis, den Käufern und der Saisonalität abhängt. Ein einfacher Angestellter in einem Hotel in Hurghada verdient zwischen 30 und 100 EUR pro Monat, dazu kommen noch Einnahmen aus Trinkgeldern. Oft werden diesen Angestellten Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung gestellt.
Da es sehr schwierig ist, von solch tiefen Gehältern zu leben, die Familie zu unterstützen oder sich eine eigene Zukunft aufzubauen, suchen sich viele Männer andere Einnahmequellen. DE ALBUQUERQUE führt dazu an: For them this is simply another subsistence/survival strategy in a region with perennially high rates of unemployment and underemployment. Die direkte Frage nach Geld wird aber selten gestellt, da inzwischen viele Frauen misstrauisch sind. Viel öfters wird ein Vorwand erfunden, wieso man dringend Geld benötigt, meist unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, beispielsweise dass ein Familienmitglied dringend operiert werden muss oder die Schwester heiraten will. Aus Mitgefühl oder Mitleid unterstützen viele Frauen die Beznesser. Oft bezahlt die Frau auch für Unterkunft und Essen sowie Eintritte oder Ausflüge, alles Dinge, die er sich sonst kaum leisten könnte. SANCHEZ TAYLOR beobachtete weiter das Folgende: …, tourist women do not always realize how their local partners extract a financial benefit from them. Beach boys [d.h.Beznesser] explained that the trick is to take the woman to bars, shops and restaurants where friends work, ensure that they are over-charged for goods, and then split the reward with the friend. In Hurghada beträgt der Anteil für den Beznesser nach einem erfolgreichen Verkauf bis zu 50% Kommission. Wie schon in Kapitel 3.4 beschrieben ist dies ein Grund, dass der Netzwerkfunktion eine wichtige Bedeutung zukommt. Da die wenigsten Frauen Arabisch sprechen, kann auch ohne Probleme in ihrer Anwesenheit verhandelt werden. Der Beznesser lässt die Frau gerne einen zu hohen Preis bezahlen, weil sein Anteil sich dadurch vergrössert, lässt sie aber im Glauben, dass er für sie einen sehr guten Preis ausgehandelt hat.
Besseres Leben Frauen und Männer schätzen beide die Aussicht auf ein besseres Leben mit um die 80% als sehr wichtiges Motiv für die Männer ein. Eine anonyme Autorin schätzt das Verhalten der Männer folgendermassen ein: Es geht ums Überleben, um den Traum ein gehobenes und sorgenfreies, BESSERES Leben führen zu können, wie es alle Touristen bereits tun – die Frauen selbst haben den Betrug in vielen Fällen sogar verdient – sei es auf Grund ihrer Überheblichkeit, ihres Prahlens, dem Verlust jeglicher Ehre… und ansonsten ist es egal – manchmal müssen Opfer gebracht werden.
Sexualität Die befragten Frauen und Männer stufen Sex je mit um die 70% als sehr wichtiges Motiv für die Männer im Zusammenhang mit Bezness ein. Somit stehen neben den ökonomischen Motiven auch sexuelle Motive sehr weit oben auf der Rangliste. Wie schon im Kapitel 4.2.1 beschrieben, ist es für einen Ägypter schwierig bis unmöglich, sexuelle Erfahrungen mit Ägypterinnen ausserhalb einer Ehe zu haben. Insbesondere jüngere Männer können aber eine Ägypterin erst heiraten, wenn sie die dazu nötigen ökonomischen Voraussetzungen haben. Dabei muss der Mann in Ägypten die Wohnung und das Gold für die Frau in die Ehe einbringen und fähig sein, eine Familie zu ernähren. Weiter fallen relativ hohe Kosten für das Hochzeitsfest selber an. BOWMAN beschreibt in seinem Artikel die Situation von jungen Arabern in Israel wie folgt: Die Mädchen bringen die gesamte Ausstattung für den Haushalt mit. Diese Auslagen werden von den Familien getragen, oft unterstützten deshalb die Brüder ihre Schwestern, damit sie heiraten können. …their sexual frustration [can be seen] as a result of traditions which permit marriage only when a certain - advanced - age is reached and a certain - seemingly inaccessible - prosperity is achieved. BELLIVEAU argumentiert folgendermassen: Islam’s strong proscriptions against extramarital sex and its required chaperonage of unattached females give special incentive to single young men (…) to seek out foreign tourists for sex. Die Männer gehen dabei sehr oft davon aus, dass die Frauen auch wegen Sex nach Hurghada reisen und sie ein Bedürfnis der Touristinnen befriedigen.
Interesse Über 50% der Männer geben Interesse für die Touristinnen als Motiv an. Unklar bleibt aber, inwiefern sie sich für die Touristin interessieren und ob es um die Touristin als Persönlichkeit geht. Denkbar wäre auch, dass Interesse an ihrer Kultur und Sprache besteht, um die für Bezness nötigen Kenntnisse zu verfeinern oder Interesse wiederum nur an ihrer wirtschaftlichen Situation herrscht. Die befragten Frauen schätzen das Interesse des Beznessers an der Touristin als viel weniger wichtiges Motiv ein. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross, dass dieses Resultat auf die Erfahrungen der befragten Frauen zurückzuführen ist. Bei Bezness interessieren sich die Männer ja nicht vordergründig für die Persönlichkeit der Frau, sondern für ihren ökonomischen Hintergrund oder Körper.
Bequemlichkeit Auch dieses Motiv der Männer schätzen die befragten Frauen und Männer wieder unterschiedlich ein. Vor allem die Männer schätzen Bequemlichkeit der Beznesser als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv ein. Die Frauen wiederum geben mehrheitlich an, dass Bequemlichkeit ein weniger bis gar nicht wichtiges Motiv ist. Insbesondere die Resultate der Frauen erstaunen hier, da angenommen wurde, dass die Frauen das Motive Bequemlichkeit als wichtiger einstufen würden und der Meinung wären, dass Männer Bezness betreiben, da sie zu bequem für reguläre Arbeit wären.
Statusgewinn Wie in Kapitel 4.2.2 schon angeführt, spielt Status in Hurghada eine wichtige, identitätsstiftende Rolle. Deshalb erstaunt es wenig, dass Frauen und Männer den Statusgewinn als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv für Bezness beurteilen. PRUITT und LAFONT bezeichnen es als „pressure to establish one’s maleness through abilities to disperse cash“. Anderen zeigen zu können, dass man Geld, ein Auto oder ein Haus hat und auch verschiedene Frauen haben kann, spielt eine wichtige Rolle. Hinsichtlich der sexuellen Eroberungen (hier in Bezug auf die Karibik) führt JEFFREYS die folgende Erkenntnis an: Indeed researchers agree that because men gain superior masculine status in Caribbean societies among their peers according to the number of their sexual conquests, and white woman count for more points, beach boys gain socially from sexual engagement with woman tourists. Mehrere Frauen bedeuten mehr finanzielle Vorteile und somit einen besseren Status.
Leichte Beute Die grosse Mehrheit der befragten Frauen und Männer stufen das Motiv der Beznesser, dass Touristinnen leicht zu erobern sind, mit sehr bis ziemlich wichtig ein. Wie bereits angesprochen, signalisieren die Touristinnen dem Beznesser auf Grund seines Verständnisses und seiner Beurteilungsgrundlagen, dass sie bereit für ein Abenteuer sind. Die leichte, knappe Bekleidung, für die Frauen im Urlaub und der Sonne angebracht, hat für die Männer eine ganz andere Bedeutung. Auch der Blick in die Augen bei einer Unterhaltung, die Bereitschaft, auf eine Unterhaltung einzugehen, auf der Strasse stehen zu bleiben oder eine Einladung anzunehmen, interpretiert der Beznesser als (sexuelle) Bereitschaft. Eine Verabredung mit einer traditionellen Ägypterin in einem Cafe vor der Heirat ist schwer vorstellbar. Schon alleine die Tatsache, dass Frauen alleine in den Urlaub fahren, erweckt bei Ägyptern den Eindruck, dass sie nur gekommen sind, um (sexuell) erobert zu werden. „Auf Grund ihrer offensichtlichen Wertlosigkeit [die sie mit ihrem Verhalten signalisieren] ist es kein Verbrechen, sie zu benutzen“, rechtfertigen Beznesser ihr Verhalten.
Zukunftsperspektive Das Motiv, dass der Mann so handelt, weil er keine Zukunftsperspektive hat, wurde von der Mehrheit der befragten Frauen und Männer mit sehr bis ziemlich wichtig beurteilt. Auch wer sich eine sehr gute Ausbildung leisten kann, hat meist keine Aussicht auf eine Arbeit mit einem regelmässigen Einkommen. Die Arbeitslosenquote in Ägypten wird offiziell mit 10.3%89 (2006) angegeben. Viele Angestellte (gerade im Staatsdienst) leben von einem Lohn, mit welchem sie Frau und Kinder nicht ernähren können. Mit Arbeiten im informellen Sektor wird oft versucht, weitere Einnahmen zu generieren. Eine soziale Absicherung vom Staat gibt es nicht, meist unterstützt man sich innerhalb der Familie. So erstaunt es wenig, dass 20% der ägyptischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.
Heirat Wie schon in Kapitel 5.4 beschrieben, fallen für einen ägyptischen Mann im Falle einer Heirat mit einer Ägypterin erhebliche Kosten an. Schon bei der Definition von Bezness durch die befragten Frauen ist ersichtlich, dass Heirat als wichtiges Kriterium für Bezness bezeichnet wird. Insgesamt kann der Beznesser dadurch verschiedene andere Ziele erreichen. Mit der Orfi-Heirat kann er mit der Touristin zusammen sein und ihr das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Dadurch wird sie umso mehr bereit sein, in die gemeinsame Zukunft zu investieren. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass trotz der Kosten längerfristig für viele Beznesser und insbesondere deren Familie, nur eine Ägypterin als Frau und Mutter in Frage kommt. Viele, insbesondere ältere Beznesser sind zudem, ohne dass es die europäischen Frauen wissen, sowieso schon verheiratet und geben die Ehefrau gar als Cousine oder Schwester aus. Mit einer Ehe auf der Botschaft und der anschliessenden Ausstellung der Aufenthaltsbewilligung kann er in das Heimatland der Frau reisen, welches Reichtum und Erfolg verspricht. Meist stellt sich das Leben dort allerdings in der Realität als nicht so verheissungsvoll dar wie es erwartet wurde. Sprach- und Integrationsschwierigkeiten und die Schwierigkeit, eine passende Arbeit zu finden, belasten viele Ehen auf Dauer sehr stark, zumal die Frauen in ihrem eigenen Heimatland den finanziellen Forderungen bald nicht mehr gewachsen sind. Zwar würden viele Beznesser in Hurghada Europa gerne besuchen, aber gerade ältere Männer, die auch Verpflichtungen gegenüber der ägyptischen Familie (Kinder, Frau oder Eltern) haben, wollen gar nicht unbedingt für eine längere Zeitdauer in Europa bleiben. Für diese bleibt vor allem die Existenzsicherung in Ägypten selber ein wichtiges Ziel. Insgesamt können die Motive der männlichen Beznesser so zusammengefasst werden, dass sie die Reaktion auf sexuelle Unterdrückung, Existenzängste und aussichtslose Zukunftsperspektive sind.
Motive der Frauen
Wie bereits im vorangehenden Kapitel die Motive der Männer diskutiert wurden, werden in diesem Kapitel die Ergebnisse der Umfragen zu den Motiven der Frauen präsentiert.
Langeweile Die Frauen schätzen mehrheitlich Langeweile als weniger bis gar nicht wichtiges Motiv der Frauen ein. Interessanterweise beurteilen die befragten Männer das Motiv Langeweile als sehr bis ziemlich wichtig. Dies könnte darauf hindeuten, dass Männer das Verhalten der Frauen als weiteres Urlaubsbedürfnis, da sie nichts anderes zu tun haben, einschätzen.
Annerkennung Annerkennung wird von der Mehrheit der befragten Frauen als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer beurteilen Anerkennung als etwas weniger wichtig. Dieser Unterschied ist wohl damit zu erklären, dass „Annerkennung für eine Frau“ für einen ägyptischen Beznesser keinen hohen Stellenwert haben kann, da er dies, bedingt durch seinen kulturellen Hintergrund, kaum kennt. Meist wird er nicht die Möglichkeit haben, abzuschätzen, was sie in ihrem gewohnten Umfeld macht und deshalb wird es ihm auch schwer fallen, ihre echte und ernst gemeinte Anerkennung entgegenzubringen. Die Frau interpretiert das vermeintliche Interesse und die Aufmerksamkeit als Annerkennung, welche sie beispielsweise im bisherigen Alltagsstress vom
Exotischer Partner und Männerbild Von den Frauen wurde die Suche nach einem exotischen Partner als eher weniger oder gar nicht wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer stufen dieses Motiv auch eher als unwichtig ein, allerdings weniger klar. Dies kann daher rühren, dass die Männer gerne mit ihrem Aussehen kokettieren. An dieser Stelle wäre es interessant zu sehen, durch welche Faktoren dieses exotischen Männerbild geprägt wird. Leider konnten dazu im Zusammenhang mit Ägypten keine wissen- schaftlichen Untersuchungen gefunden werden. Es wird angenommen, dass dieses exotische Männerbild auf Vorstellungen aus den Geschichten von „Tausend und einer Nacht“ basiert. Allerdings entspricht dieses Männerbild oft nur der Fantasie und Wunschvorstellung der Frauen, der Realität aber nicht. Weiter müsste untersucht werden, inwiefern der von OMONDI erwähnte „power of advertising“ hier vom Reiseland Ägypten genutzt wird und ob die den Fantasien der Frauen entsprechenden Männerbilder explizit in die Werbung integriert werden, um die Touristinnen anzusprechen. Im der aktuellen Imagekampagne wird praktisch vollständig auf Darstellungen von Menschen verzichtet. Einzig im Imagefilm wird kurz ein junger Mann gezeigt, der dem exotischen Männerbild vielleicht gerecht werden könnte. Da es den Rahmen der Arbeit aber sprengen würde und wissenschaftliche Untersuchungen fehlen, muss hier auf eine weiterführende Untersuchung verzichtet werden. Insbesondere bei den gemachten Untersuchungen in der Karibik wurde das Männerbild des hypersexuellen karibischen Rastafari immer wieder erwähnt und die Tatsache unterstrichen, dass sehr viele Frauen Fantasien im Zusammenhang mit exotischen Männern hätten. Diese Exotik wird aber auch hier nicht weiter definiert. Laut BELLIVEAU führt auch der Umstand, dass viele Frauen bei westlichen Männern eine gewisse Männlichkeit vermissen würden, dazu, dass sich Frauen von einem in ihrer Fantasie entstandenen Männerbild beeinflussen lassen und eine Dominanz der Beznesser akzeptieren, die sie bei einem westlichen Mann nie zulassen würden.
Bestätigung der Weiblichkeit Laut der Umfrage stimmt eine sehr grosse Mehrheit der Frauen dafür, dass die Bestätigung der Weiblichkeit ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Frauen ist, sich auf eine Verbindung mit einem Beznesser einzulassen. Die Männer stufen dieses Motiv als für die Frauen weniger wichtig ein, allerdings stellt sich auch hier die Frage, inwiefern dies für die Männer mir ihrem Hintergrund überhaupt eine Bedeutung haben kann. Insbesondere für Frauen, die nicht (mehr) dem Schönheitsideal (der westlichen Welt) entsprechen, kann die Bestätigung durch eine solche Verbindung sehr wichtig sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sie schon älter ist und das Gefühl hat, dass sich niemand mehr für sie interessiert oder sie beispielsweise etwas molliger ist. SANCHEZ TAYLOR geht davon aus, das eine solche Verbindung den Frauen auch dazu dienen kann, ihre Weiblichkeit wiederherzustellen. „…most Western women still wish to be seen as ‘feminine’ and would find it insulting to be described as ‘masculine’.” Laut SANCHEZ TAYLOR ist ein Teil der Identität der Frauen stark an die Sexualität gebunden, denn nur durch diese kann sie ihre Weiblichkeit bestätigen. “Unless a woman is publicly known to be being ‘sexed’ by a man or men, there is a question mark over her ‘femininity’. Ist sie sexuell unattraktiv oder ohne Partner, kann dies zu einem Identitätsverlust führen.
Frustration durch gescheiterte Beziehungen Laut PRUITT und LAFONT verspüren viele Frauen, die sich auf solche Verbindungen einlassen, eine Frustration von Männern aus ihrem eigenen Kulturkreis und bezeichnen sie als unauf- merksam, nur mit der Karriere beschäftigt und emotionslos. Auch BELLIVEAU sieht in der Frustration ein Motiv der Frauen zu reisen und sich während dem Urlaub auf eine Verbindung einzulassen: Many people travel to heal a broken heart. They want to find proof that others don’t view their faults quite so seriously as do ex-loved ones. Perhaps they wish to reaffirm their sexiness through blind encounters, to heal themselves, to forget. Some of them even fall in love and return with acceptable partners.
Anonymität Insbesondere die Männer beurteilen Anonymität als wichtiges Motiv der Frauen. Dies spricht wieder dafür, dass Männer eher davon ausgehen, dass die Touristinnen mit einer bestimmten Absicht nach Hurghada reisen. Die Frauen beurteilen die Anonymität als weniger wichtig. Dies könnte daher rühren, dass sie von einer Verbindung nach ihren Vorstellungen ausgehen und somit auch nichts zu verstecken haben. Allerdings kann, wenn ein grosser Altersunterschied zwischen den Partnern besteht (die Frau älter ist) oder die Frau in ihrem Heimatland verheiratet ist, Anonymität ein wichtiger Punkt sein. BELLIVEAU zitiert dabei die Aussage einer Frau: „I’m in a holiday mood far away from the social control of my everyday life and in this situation, I can do what I want.” Sobald eine Diskrepanz zwischen moralisch oder sozialen Vorstellungen des Heimatlandes und dem Handeln der Frau besteht, ist Anonymität für die Frauen sicherlich ein wichtiges Motiv.
Sexualität Auch in Hurghada gibt es Frauen, die ausschliesslich aus sexuellen Motiven reisen. Abb. 2 zeigt allerdings, dass Sex von der Mehrzahl der befragten Frauen als nicht sehr wichtiges Urlaubs- bedürfnis eingestuft wird. Da die getroffene Definition von Bezness (Vergleich Kapitel 1.1.2) aus der Sicht der Touristin eine Beziehung voraussetzt, handelt es sich hier nicht um eine klassische „Sextouristin“. Die Aussage von HEROLD, „…women preferred a romantic relationship which may include sex, with only a minority indicating that sex was their main objective in establishing a relation.” interpretiert die Ergebnisse der eigenen Umfrage zutreffender. Die Männer hingegen stufen dieses Motiv der Frauen als viel wichtiger ein. Gründe dafür könnten das ungewöhnliche Verhalten der Touristinnen sein, welches mit dem anderen kulturellen Hintergrund der Männer und Verständnis des Frauenbilds interpretiert wird. Davon Ausgehend wird das Verhalten der Frauen so interpretiert, dass sie auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer sind. Auch die Befragungen von SANCHEZ TAYLOR in der Karibik, die bekannt ist als Destination für Sextouristinnen, kamen zum Ergebnis, dass nur 3% der befragten Frauen, die mit einem einheimischen Mann sexuellen Kontakt hatten, ihre Begegnung als rein körperlich beschrieben. LEVY und BELLIVEAU schätzen den Anteil der Touristinnen, die sexuelle Erfahrungen machen, weltweit auf 10%. OMONDI beziffert die Zahl der europäischen Touristinnen (mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Deutschen und Schweizerinnen), die ausschliesslich nach Kenia reisen, um Sex zu haben, mit 5%. DE ALBUQUERQUE108 teilt die Touristinnen in der Karibik in vier Gruppen ein und schliesst dadurch auf ihr sexuelles Verhalten: I. „first timers“ oder „neophytes“: Die Touristin lernt eher zufällig einen Mann kennen, mit dem sie (oft im Rahmen einer Beziehung) auch Sex hat. II. „situational sex tourist“: Die Intention, bezahlten Sex während dem Urlaub zu haben besteht nicht vor der Reise, die Möglichkeit wird aber ergriffen, wenn sie da ist. III. „veterans“: Die Reise wird mit der expliziten Absicht angetreten, unkomplizierten Sex zu haben, auch mit verschiedenen Partnern (also nicht im Rahmen einer Beziehung). IV. „returnee“: Die Touristin kommt zurück, um die Verbindung mit dem zuvor getroffenen Mann weiterzuführen. Die Touristin hat ihrer Definition nach Sex in einer bestehenden Beziehung. Die getroffene Definition schliesst somit in Bezug auf Bezness nur Gruppe I und IV ein. Dabei ist Gruppe I jene, die schon während dem ersten Urlaub, in dem sie den Mann kennen lernt, Sex mit ihm hat. Oft kann es sich dabei aus ihrer Sicht noch um einen unverbindlichen Urlaubsflirt handeln, weil zu diesem Zeitpunkt eine Zukunft der Beziehung noch unrealistisch scheint. Meist beinhaltet diese aber schon die von HEROLD angeführte romantische Kompo- nente und es besteht der Wunsch oder die Annahme, dass die Verbindung etwas Besonderes ist und über den Zeitrahmen des Urlaubs hinausgehen wird. Gruppe IV beinhaltet jene Frauen, die zurück reisen, um die Verbindung mir dem zuvor kennen gelernten Mann weiterzuführen.
Noch widersprechen sich die wissenschaftlichen Ergebnisse, ob in diesen Fällen die Sexualität nur zur Befriedigung der Männer dient oder ob auch die Frauen davon profitieren. JEFFREYS und SANCHEZ TAYLOR argumentieren dabei folgendermassen: In this case, the ‚[female] tourist’ is servicing the local man rather that the other way round. (…) This sexual practice is not one meant for women’s sexual satisfaction but for that of men. The local man is assumed to be necessarily getting some benefit beyond the economic simply because he is a man getting to have sex with a woman. Likewise, it is assumed that the female tourist must be exploited in some way, simply because she is a woman giving a man sexual access to her body. BELLIVEAU hingegen schätzt die Situation anders ein: For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial.
Kontrolle Befragte Frauen und Männer haben das Motiv Kontrolle beide als grundsätzlich wenig bis gar nicht wichtig beurteilt. Dennoch soll hier kurz darauf eingegangen werden, da die Fachliteratur diesen Aspekt als wichtig einschätzt. Die wirtschaftlichen Privilegien der Frauen, die ihr eine gewisse Kontrolle innerhalb der Beziehung ermöglichen, die sie sonst in ihrem Heimatland nicht hätten, bergen ein hohes Konfliktpotential innerhalb der Verbindung. Je nach Ausgangslage kann sie diese Kontrolle nutzen oder sie kann ihr zum Verhängnis werden, gleichzeitig ist aber eine auf Kontrolle und Manipulation aufgebaute Verbindung meist nicht sehr gesund für beide Seiten. Zu Beginn verfügt die Frau über die ökonomische Macht und die Kontrolle liegt in ihren Händen. Sie bestimmt, wann sie kommt und wann sie geht. Sie hat ihre eigene Unterkunft, wo sie sich auch zurückziehen kann. Meist ändert sich aber das Machtverhältnis, wenn sie zurückkehrt und mit ihrem Partner wohnt: Sie spricht weder die Sprache noch ist sie gesellschaftlich oder kulturell integriert. Er ist ihr einziger Zugang. Nach Möglichkeit wird er diese Kontrolle auch beibehalten wollen, indem er sein Netzwerk benutzt und somit jederzeit weiss, wo sie sich aufhält und mit wem sie ihre Zeit verbringt. Wieder eine andere Situation besteht, wenn der Ägypter in das Heimatland der Frau reist. Hier ist er vorerst wirtschaftlich von der Frau abhängig, spricht die Sprache nicht, ist ausserhalb seines gewohnten Umfeldes und hat sehr oft Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Oftmals entstehen aus diesen Situationen schwerwiegende Konflikte, da seine gewohnten, identitätsstiftenden Funktionen keine Bedeutung haben. Insgesamt beurteilt die Fachliteratur, hier SANCHEZ TAYLOR und KEMPADOO, das Motiv der Kontrolle und Macht als wichtig: …they could command the sexual attentions of black men, white men no longer had the power to control or reject them sexually. Among woman tourists, an experimentation with being able to control men, while retaining a sexualized femininity, appears to have taken place.
Wahrscheinlich wurde das Motiv Kontrolle von den befragten Frauen als nicht wichtig eingestuft, weil Kontrolle nicht Bestandteil ihrer Wertvorstellung innerhalb der Beziehung ist, von der sie bei Bezness ausgehen. Auch den Wertvorstellungen der Männer liegt Kontrolle durch eine Frau fern, dies könnte eine mögliche Erklärung sein, wieso die Mehrheit dieses Motiv als gar nicht wichtig eingestuft hat.
Funktion des „cultural broker“ DAHLES definiert „cultural broker“ als: Somebody who will provide (…) access to the local culture.
Auf die Frage, ob ein Motiv für das Verhalten der Frau sein kann, dass der ägyptische Mann ihr einen Einblick in seine Kultur verschaffen kann, haben fast 50% der befragten Frauen geantwortet, dass es ein ziemlich bis sehr wichtiges Motiv der Frauen sei. Die Männer beurteilen das Motiv insgesamt als etwas weniger wichtig. GOETHE beschreibt diese Funktion der Männer wie folgt: Sie [die Frauen] versprechen sich von dem intensiven Kontakt eine Art bereichernde Reiseerfahrung. Dabei ist der einheimische Mann (…) die persönliche Verbindung zur anderen Kultur. Als Türöffner und Kulturvermittler erleichtert er der Frau Erfahrungen innerhalb der anderen Gesellschaft. Das fremde Land und der fremde Mann bieten die Möglichkeit, sich selber neu und anders zu erleben. Durch diese Funktion werden der Frau nicht nur Erlebnisse und Einblicke ermöglicht, die sie sonst nicht hätte, sondern dienen der Frau auch als eine Möglichkeit, sich selber neu zu definieren. In Anlehnung an das Vier-Kulturen-Schema von THIEM bleibt die Frage allerdings offen, ob sie sich dabei nicht nur im Bereich der Dienstleistungskultur bewegt und ihr die Einsicht in die Kultur der Bereisten verwehrt bleibt. Die Tatsache, dass sie sich in Hurghada selber in einer künstlich erschaffenen Welt befindet, fernab der ägyptischen Kultur, spricht eher dafür, dass sie kaum die Möglichkeit haben wird, die ursprüngliche Kultur wirklich kennen zu lernen. Insbesondere könnte dies für den Beznesser ja bedeuten, dass ihre Illusionen zerstört werden. Auch die Familie wird in dieser Hinsicht gerne integriert, da der Besuch und die vermeintliche Akzeptanz der Familie die Frau oft im Glauben bestärken, dass sie etwas ganz besonderes ist. Kennt man die Vorstellung einer Beziehung, der Bedeutung der Familie und der Religion, wird aber klar, dass eine Touristin sicherlich nicht den Wunschvorstellungen einer Schwiegertochter entspricht.
Liebe Liebe ist für die grosse Mehrheit der Frauen ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv für ihr Verhalten. Dagegen beurteilen Männer Liebe als ein weniger bis gar nicht wichtiges Motiv der Frauen. Dies kann einerseits dadurch erklärt werden, dass Männer gar keinen Zugang zum Konzept Liebe haben. Andererseits gehen die Männer aber offenbar davon aus, dass die Frauen diese Verbindungen nicht aus emotionellen, sondern sexuellen Gründen eingehen. Diese Erkenntnisse werden gestützt von der Tatsache, dass die Befragten die beiden Fragen zur Sexualität und Liebe mit praktisch umgekehrten Vorzeichen beantwortet haben. Den Frauen liegt somit eine ganz andere Wertvorstellung zugrunde. Meyers Lexikon definiert Liebe folgendermassen: Liebe, die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine intensive gefühlsmäßige, zumindest der Vorstellung nach auf Vertrauen und Dauer angelegte und entsprechend positiv erlebte Beziehung zu einem anderen Menschen zu entwickeln. Liebe ist in der Wertvorstellung der Frau entscheidend, um eine Beziehung einzugehen, dem Ägypter ist dieses Konzept aber fremd. Insgesamt können die Motive der Frauen so zusammengefasst werden, dass sie dem „normalen“ Verhalten innerhalb einer Beziehung nach „westlichen“ Vorstellungen entsprechen.
Konflikte
Wie während der Arbeit nun schon verschiedene Male erwähnt, führen das unterschiedliche Verständnis von Beziehung, aber auch die unterschiedlichen sozialen, gesellschaftlichen, religiösen und persönlichen Hintergründe und Motive zu Konflikten. Dazu kommen die grossen kulturellen Unterschiede, die den Lebensweisen der Beteiligten zugrunde liegen. Auch im Interview mit dem Imam der Moschee in Bern, der binationale Paare im Falle von Konflikten berät, wurde klar, dass Konflikte vor allem dann entstehen, wenn grundlegend unterschiedliche Ansichten in oben genannten Bereichen herrschen. Kommunikation kann diese grundlegenden Unterschiede meist nur bedingt überbrücken. In welchen Bereichen dieses Konfliktpotential liegt, soll im diesem Kapitel noch genauer dargelegt werden. Zu beachten ist, dass hier stereotype Ansätze auf beiden Seiten gewählt werden mussten, um das Konfliktpotential zu erfassen.
Kommunikation
Sehr oft entstehen Konflikte schon nur, weil die Basis einer gemeinsamen Sprache fehlt. Zwar sind die meisten Beznesser äusserst sprachgewandt, dennoch sprechen beispielsweise sehr wenige Frauen arabisch. Meist reichen die Sprachkenntnisse bei tief greifenden Differenzen auch nicht aus, um sprachlich genügend kommunizieren zu können. Weiter kann Kommunikation auch nur dann eine Lösung oder Kompromiss ermöglichen, wenn man von einer gewissen Vorstellung von Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung ausgeht und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten besteht. Sprachliche Missverständnisse oder im eigenen Sprachgebrauch anders interpretierbare Aussa- gen machen aber eine überdurchschnittliche Kommunikation oft unverzichtbar.Fehlt diese, sind Konflikte oft unausweichlich.
Anderes Verständnis von Beziehung
Grundsätzlich beurteilen BELLIVEAU124 oder auch DE ALBUQUERQUE125 eine Verbindung von Touristin und Bereistem als nutzbringend für beide Seiten: For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial. (…) They exchange what they have for what they lack: her material wealth and sexual availability for his good looks, fine body, attention and of course affection (real or feigned). Dies kann aber nur der Fall sein, wenn sich beide Seiten über Motive und Ziele einig sind. Wie schon aus der getroffenen Definition in Kapitel 1.1.2 ersichtlich wird, ist dies bei Bezness nicht der Fall. Das in Kapitel 4.2.1 beschriebene Verständnis für Beziehung der Männer unterscheidet sich sehr von Verständnis einer Beziehung der Touristin. Wichtige Bestandteile des Konzepts „Beziehung“ sind für die Frauen nebst der emotionellen Beteiligung („Liebe“ ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen Sozialnetzes) auch die Vorstellung einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Partner. Meyers Lexikon definiert den Begriff Partnerschaft nach hiesigem Verständnis wie folgt: Partnerschaft, Soziologie: Prinzip des vertrauensvollen Zusammenwirkens zwischen Personen (…), die ihre Ziele nur gemeinsam unter gegenseitiger Kompromissbereitschaft, auch unter Einsatz entsprechender (…) Konfliktund Kompromissregelung erreichen können. In der arabischen, patriarchalisch aufgebauten Gesellschaft ist aber Partnerschaft und Gleichbe- rechtigung zwischen Partnern oder auch Liebe ein unbekanntes Konzept. Die Ehe im Islam und somit im arabischen Raum dient laut AKASHE-BÖHME zur „Ordnung der geschlechtlichen Existenz. Sie ist die Trennlinie von erlaubter und nicht erlaubter Sexualität.“ Diese Sexualität dient in erster Linie dazu, den Fortbestand der Familie zu garantieren und männliche Stammhalter zu generieren. Die Verantwortungsbereiche der Partner sind dabei klar festgelegt und es herrscht Arbeitsteilung. Nicht selten dienen Ehen auch zur Festigung der Beziehungen zwischen zwei Familien. Somit sind Ehen eher als wirtschaftlich/ strategische Partnerschaften konzipiert. Durch ein grundsätzlich anderes Verständnis von Partnerschaft werden aber auch andere Ziele verfolgt und Konflikte, hier vor allem bedingt durch kulturelle Unterschiede, sind meist schwer zu vermeiden. Fehlt dann weiter die Kompromissbereitschaft, was bei Bezness sehr oft der Fall ist, weil schon grundsätzlich unterschiedliche Absichten verfolgt werden, werden diese noch ver- stärkt. Eine anonyme Autorin beschreibt es folgendermassen: Werte bei vielen Touristinnen sind Gleichberechtigung, eine Beziehung, die aus Nehmen UND Geben besteht, Verständnis, Füreinander da sein, Zusammen durch Dick und Dünn gehen, manchmal auch beschützt werden. (…) Er lernt, was er sagen sollte, um ihre Liebe zu erhalten; was er heucheln solle, um ihre völlige Hingabe zu erreichen. Um sie zu kontrollieren. Die meisten Frauen verbinden tiefe Gespräche mit Geborgenheit. Indem der Beznesser vorgibt, diese Werte zu teilen, hat er eine Basis für ein Handeln. Früher oder später wird er aber seine eigentliche Einstellung innerhalb der Verbindung nicht mehr unterdrücken können und es kommt zu Konflikten.
Kulturelle Unterschiede
Auch das andere Selbstverständnis des Mannes, nämlich als der bestimmende Part innerhalb einer Partnerschaft, führt zu Konflikten. Während sich die Frau als gleichberechtigter Partner innerhalb der Beziehung sieht, ist es für den Mann ein Teil seiner Identität, als Oberhaupt gesehen zu werden. Gleichzeitig bedeutet dies im weitern Sinne für die Frau auch Konflikte im Bereich Kleidung, Treffen mit (männlichen) Freunden, trinken von Alkohol, alleine ausgehen usw. Immer wieder berichteten die Frauen in den Foren über Unstimmigkeiten in diesen Bereichen. Dabei sind diese Handlungen für sie normal, für den Mann allerdings tangieren sie den Ehrbegriff. Alleine im Café sitzen, sich mit anderen Männern unterhalten und „freizügige“ Kleidung wird somit für ihn zum Problem, während es für sie eine ganz normale Freiheit ist. Auch religiöse Fragen haben grundsätzlich ein grosses Konfliktpotential. Eine Christin, die einen Moslem heiratet, muss nicht zwingend zum Islam konvertieren. Viele Männer wünschen sich das aber offenbar. Es bleibt aber fragwürdig, ob die Konversion Sinn macht, wenn man aus Liebe zum Partner die Religion ändert. Auch stellt sich die Frage, inwiefern jemand, der sehr säkular erzogen wurde, sich plötzlich mit relativ strengen, religiösen Vorschriften identifizieren kann. Oftmals sehr schwerwiegend werden die Konflikte im Falle von Kindern und Unstimmigkeiten bei Erziehungsfragen. Meist sind sich die Frauen auch nicht bewusst, dass sie in Ägypten nicht nur einen Partner heiraten, sondern auch dessen Familie. Diese Familie stellt sehr oft auch „Forderungen“ und hat Wünsche, die erfüllt werden sollten. Gleichzeitig trägt jeder Sohn eine wichtige Verantwortung, die ihn auch, zumindest moralisch, verpflichtet, seine Familie zu unterstützten, wenn Bedarf besteht, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Rahmen des Ehrbegriffes handeln muss.
Ungewohntes Machtverhältnis
Wie schon in Kapitel 6.8 angeführt, besteht je nach Situation ein ungewöhnliches Machtverhältnis innerhalb der Beziehung. [Tourist woman are] having economic power over local men. But his economic power does seam to be the only power they have and may not necessarily trump the power that beach boys have over them as a result of their superior position in their gender hierarchy. Wie AKASHE-BÖHME beschreibt, wird das Rollenverhalten der Männer schon sehr früh in ihrer Kindheit geprägt: Entscheidend ist aber, dass der Mann in der Familie die letzten Entscheidungen trifft und auch eine richterliche und exekutive Gewalt ausübt, kurz, er herrscht über die Frauen, die Kinder und die jüngeren Männer. In dieser Ordnung ist die Frau zum Gehorsam verpflichten und hat eine dienende Rolle einzunehmen. (…) es diene die Schwester dem Bruder. (…) die Unterordnung der Frau [kann] ihr selbst eine gewisse Herrschaft verheiss[en], allerdings nur für den Bereich der häuslichen Angelegenheiten, den Teil der Tätigkeiten, die ihr durch die geschlechterspezifische Arbeitsteilung zufällt. Während die ägyptische Frau auch in diesem System aufgewachsen ist, wird es für eine westlich erzogene Frau schwierig bis unmöglich, sich mit einer solchen Situation abzufinden.
Da gerade die finanzielle Unterstützung oft von ihrer Seite kommt, erwartet sie ein Mitsprache- recht und fordert gemeinsame Entscheidungen. Er wiederum wird sich dadurch in seiner Freiheit eingeengt fühlen und nicht nachvollziehen können, wieso er seine Entscheidungen plötzlich mit einer Frau besprechen sollte.
Umgang mit Geld
Sehr oft führt auch das Thema Geld zu grossen Konflikten. In Vergleich verdient eine Frau hier ein Vielfaches eines ägyptischen Mannes. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten hier auch viel höher und finanziellen Verpflichtungen nicht nachzukommen, kann relativ schnell grosse Probleme mit sich bringen. Dass Geld auch hier nicht endlos ist, ist für viele Beznesser nicht verständlich. Wer Geld hat, unterstützt auch andere, insbesondere die Familie, und kann sich dafür meist darauf verlassen, dass er in Notsituationen auch unterstützt wird. Schulden werden meist im informellen Bereich und in kleineren Summen gemacht. Betreibungen und Pfändungen gibt es in Ägypten kaum oder nur bei sehr hohen Summen. Viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, machen Schulden, nehmen Kredite auf oder investieren all ihre Ersparnisse, um den Lebenswandel der Beznesser zu finanzieren. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die unterschiedlichen kulturellen, sozialen, gesell- schaftlichen und religiösen Hintergründe der beiden Partner das Konfliktpotential innerhalb der Verbindung intensivieren.
Abschliessend werden im letzten Kapitel einige Aspekte der Auswirkungen von Bezness beleuch- tet.
Auswirkungen
Insgesamt gibt es wahrscheinlich sehr viele direkte und indirekte Auswirkungen von Bezness. Da aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen bestehen, die diese belegen, können hier nur Annahmen getroffen werden. In der Folge sollen deshalb nur einige Punkte angesprochen werden.
Änderung der Gesellschaftsstruktur Wie eine Studie von VIELHABER aus dem Jahre 1979 veranschaulicht, war es damals praktisch unvorstellbar für traditionell lebende ägyptische Männer, eine europäische Frau zu heiraten geschweige denn mit ihre in „wilder“ Ehe zusammenzuleben. In Hurghada trifft man heute auf sehr viele gemischte Paare. Meist besteht ein grosser Altersunterschied. In Ägypten ist es sonst sehr unüblich, dass eine ältere Frau einen jungen Mann heiratet, da Ziel der Verbindung Kinder sind. Gleichzeitig leben diese Paare meist auf eine ganz andere Weise zusammen, als es ein traditionell ägyptisches Paar tut. Sicherlich ist Bezness nicht die einzige Ursache für die veränderte Gesellschaftsstruktur in Hurghada. Vielmehr ist es die Tatsache, dass Männer ihre Familie verlassen um in den massentouristischen Zentren ihr Glück zu versuchen. Bezness ist dabei für die Männer eine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt und der der Familie zu bestreiten. Interessant wäre in dieser Hinsicht die Frage, inwiefern Bezness Auswirkungen auf die ägyptischen Frauen hat. Die Frage stellt sich deshalb, weil ältere Beznesser oft schon mit einer ägyptischen Frau verheiratet sind. Insgesamt schon in einer untergeordneten Position, kann sie gegen eine finanzstarke Nebenbuhlerin, die ihrem Mann mehr bieten kann, wenig ausrichten. Bei einer von ihr angestrebten Scheidung riskiert sie, ihre Kinder zu verlieren. Inwiefern die Position von ägyptische Frauen durch Bezness noch zusätzlich geschwächt wird und ob sie darunter leiden, müsste aber noch detailliert abgeklärt werden.
Fundamentalismus BELLIVEAU zitiert in ihrem Buch den Führer einer radikal islamischen Gruppierung, der Anschläge gegen Touristen mit den negativen Auswirkungen des Tourismus rechtfertigt. „Tourism in its present form is an abomination“, claimed the leader of an Egyptian Islamic group, justifying attacks against foreign visitors. “It is a means by which prostitution and AIDS are spread by Jewish woman tourists, and it is a source of all manner of depravities.” Bezness wäre damit ein Grund für Fundamentalisten, auch Hurghada als Ziel von Anschlägen zu wählen. Beim Anschlag von 1997 in Luxor und den letzten Anschlagsserien im Sinai haben aber sehr wahrscheinlich politische Motive zu den Anschlägen geführt. Insbesondere die letzten Anschläge auf dem Sinai waren gegen Destinationen und Hotels gerichtet, die von Israelis frequentiert wurden. Viele Israelis machen auch heute noch in „ihrem“ Sinai Urlaub. Israel ist immer noch Feindbild, deshalb auch die Erwähnung der jüdischen Touristin. Nach Einschätzung von Experten galten die Anschläge in Ägypten nicht europäischen Besuchern. Trotz enormer Verstärkungen der Sicherheitsmassnahmen darf man leider auch in Hurghada nicht davon ausgehen, dass ein Anschlag unmöglich ist.
Image von Hurghada
Bei der gemachten Umfrage wurde auch die Frage gestellt, inwiefern sich das Image von Hurghada durch Bezness verändern würde.
Die befragten Frauen beurteilten dabei den Schaden durch Bezness viel höher ein als die befragten Männer. Bezness wird in den deutschen Medien in letzter Zeit vermehrt thematisiert. Inzwischen ist Bezness gerade für alleinreisende Frauen, die nicht belästigt werden wollen, ein Grund, bekannte Bezness-Destinationen in Tunesien, Marokko, Ägypten oder der Türkei zu meiden. Längerfristig könnte dies deshalb für die Destination Hurghada zu einem ernsthaften Problem werden.
HIV
SANCHEZ TAYLOR weist in ihrem Artikel auf die Zunahme von HIV im Zusammenhang mit der zunehmenden Mobilität und Reisetätigkeit hin. Laut offiziellen Angaben beträgt die Verbreitung von Aids in Ägypten weniger als 0,1% (2001). Laut einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung von Januar 2005 wird offiziell von einer Zahl von nur 1500 infizierten Personen gesprochen, andere Schätzungen sprechen allerdings von 12'000. Insgesamt hat aber die Zahl der Neuinfektionen zwischen 2003 und 2005 um 28% zugenommen. Laut Experten besteht das Problem darin, das Risikofaktoren wie ausser- oder vorehelicher Sex, Drogenkonsum oder Homosexualität in Ägypten weitgehend Tabuthemen sind. Kampagnen zu lancieren und zu informieren ist deshalb schwierig. Da sich gerade auch die junge Bevölkerung nicht im Klaren über die Ansteckungsgefahr ist, werden Kondome immer noch zu wenig verwendet. Viele gehen davon aus, dass der Islam und die Moral sie von der Krankheit schützen würde. Durch ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnerinnen kann demzufolge auch HIV in Hurghada zu einem nicht zu unterschätzenden Problem werden.
Betroffene Frauen
Laut BELLIVEAU ist die Scheidungsrate bei binationalen Paaren in Deutschland mehr als dreimal so hoch wie bei zwei deutschen Partnern. Dies ist ein Indiz dafür, dass auch Verbindungen in Zusammenhang mit Bezness sehr oft zerbrechen. Sehr viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, leiden oft lange unter den Auswirkungen, insbesondere psychisch. Gewalt, Schulden und Unverständnis des Umfelds verstärken die psychi- schen Probleme zusätzlich. Laut SANCHEZ TAYLOR berichteten in ihren Befragungen einige Frauen über körperliche Gewalt: We interviewed a number of North American and European woman who had migrated in order to marry or live with the local boyfriend they had made on holiday and were now in extremely abusive relationships. They state that when they have reported being raped, beaten or robbed by boyfriends or husbands to the police, no action is taken to protect them. Auch PRUITT und LAFONT erwähnen im Zusammenhang mit der Karibik folgendes: …his desire to be dominant in gender relations is intense. To maintain his reputation and avoid the appearance that the woman controls him, the Jamaican man without economic means continually seeks new ways to exhibit his dominion over women. BOWMAN führt dazu an, dass nicht nur Kränkungen, sondern auch (körperliche) Gewalt in diesen Verbindungen Ausdruck des Gefühls des Mannes, unterlegen zu sein, ist. Nebst körperlicher Gewalt ist auch eine hohe Verschuldung ein viel genanntes Problem der Frauen in den Foren.
In Anlehnung an die Berichte in den Foren wird vermutet, dass viele Frauen noch jahrelang psychisch unter den Auswirkungen von Bezness leiden. Offenbar ist es schwieriger, die mutwillige Manipulation zu verarbeiten als der Bruch einer „normalen“ Beziehung. Leider gibt es aber dazu noch keine umfassenden Forschungserkenntnisse und es können somit nur Vermutungen angestellt werden.
Image der Touristinnen
Insgesamt leidet natürlich auch das Image der westlichen Touristinnen. Den Frauen soll hier kein Vorwurf gemacht werden, da sie ja im Sinne von der Definition von Bezness von einer Beziehung ausgehen. Dennoch schliessen die Beznesser natürlich vom Verhalten der Frauen, die sie für ihre Zwecke gewinnen konnten, auch auf das Verhalten von anderen Touristinnen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Auswirkungen von Bezness sowohl die Bereisten und deren Umfeld wie auch die Touristinnen selber tangieren. Um im Falle von Hurghada noch genauere Aussagen zu machen, fehlen aber im Moment wissenschaftliche Unter- suchungen.
Fazit
Bezness wird es in Hurghada weiterhin geben. Für die Beznesser sind dabei die ökonomischen Aussichten zu verlockend, um darauf zu verzichten. Ohne Aussichten auf eine beruflich oder privat erfolgreiche Zukunft, weit weg von seiner Familie und permanent den Wohlstand der Touristen vor Augen, scheint es ihm nicht falsch, an diesem teilhaben zu wollen. Zumal er durch sein anderes Verständnis für Beziehung davon ausgeht, der Frau zu geben, was sie sucht und für sich zu nehmen, was er braucht. Frauen wiederum erliegen durch ihre Urlaubsstimmung, dem Bedürfnis nach Anerkennung und Geborgenheit immer wieder dem Charme der Beznesser. Durch ihre anders geprägten Wertvor- stellungen interpretiert sie die Verbindung als Beziehung und unterstützt in diesem Sinne ihren Partner und dessen Familie auch finanziell. Die genauen Motive beider Seiten können dabei vielfältig sein. Grundsätzlich unterscheiden sie sich aber dadurch, dass der Beznesser eine Verbesserung seiner Lebenssituation anstrebt während die Touristin im Rahmen einer Beziehung Liebe und Geborgenheit sucht. Dieser Unterschied und die Tatsache, dass beide Partner von unterschiedlichen Kulturen geprägt sind, führen im Folgenden zu Konflikten. Mit der vorliegenden Arbeit konnten leider nur erste Erkenntnisse eingebracht werden. Noch fehlen umfassendere wissenschaftliche Untersuchungen, um genaue Aussagen über das Ausmass und Auswirkungen von Bezness in Hurghada und anderen Destinationen zu machen. Auch wenn Bezness in Hurghada in Zukunft weiterhin existieren wird, besteht die Hoffnung, dass vermehrte Aufklärung über die unterschiedlichen Wertvorstellungen dazu führt, dass Touristinnen Bezness-Verbindungen realistischer beurteilen und sich der Problematik bewusst werden.
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